Lerndesign: In fünf Schritten zum dauerhaften Lernerfolg

Lerndesign: In fünf Schritten zum dauerhaften Lernerfolg

Erinnerst du dich an den letzten Blogbeitrag, den du gelesen hast? Wenn ja, kannst du dich an mehr erinnern als an das Thema und ein paar Stichpunkte? Vertrauen wir der Ebbinghaus'schen Vergessenskurve, sind etwa 70 Prozent bereits nach 24 Stunden vergessen. Auch wenn diese Daten nicht verallgemeinert werden können, da zu viele Faktoren im Spiel sind, ist die persönliche Wahrnehmung oft ähnlich. Wie frustrierend, wenn wir bedenken, wie viel Zeit und Energie wir ins Lernen investieren!

Die Frage liegt auf der Hand: Wie können wir die Kurve des Vergessens abflachen?

Wiederholung, unterstreichen oder aufschreiben – jeder von uns hat in der Vergangenheit individuelle Strategien entwickelt, um so effizient wie möglich zu lernen. Dank des technologischen Fortschritts der letzten Jahre konnte die Neurowissenschaft mehr Erkenntnisse darüber gewinnen, was wirklich im Gehirn passiert, während wir lernen. Einige Vermutungen haben sich bestätigt und viele neue Erkenntnisse sind hinzugekommen.

Bei mevolute haben wir darauf aufbauend ein „Lern-Framework“ entwickelt und experimentieren derzeit mit dessen Einsatz in unseren Trainings, um die Lernergebnisse nachhaltiger in den Köpfen der Teilnehmer zu verankern. Es gibt fünf Schritte, die zusätzlich zu den eigentlichen Lerninhalten helfen sollen, neues Wissen im Langzeitgedächtnis zu verankern.

1. Emotionen verarbeiten: Die Auseinandersetzung mit Gefühlen als Warm-up.

Es ist nicht schwer zu erraten: Schlechte Laune stört beim Lernen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn wir alle wissen, dass wir nach einem Konflikt mit den Vorgesetzten oder den Kollegen im Kopf noch immer Vorwurfs-Ping-Pong spielen, anstatt aufnahmefähig zu sein.

Die Neurowissenschaft hat es erläutert: Emotionen steuern die Aufmerksamkeit und die Aufmerksamkeit steuert die Lern-, Problemlösungs- und Gedächtnisleistung. Wenn wir also wissen, dass negative Gefühle das Lernen blockieren, was können wir tun? Wir können uns die Ansätze der positiven Psychologie zunutze machen! Zum Beispiel durch Journaling, einem Dankbarkeits-Check-in oder Meditation und Atemtechnik verbessern wir die Fähigkeit, uns zu fokussieren und das Negative auszublenden (zumindest für den Moment).

Nimm dir also zunächst fünf Minuten Zeit, um anzukommen und deine Gefühle wahrzunehmen. Vor dem Sport wärmen wir uns auf – und vor dem Lernen sollten wir das auch!

2. Zielsetzung: Einen Fokus definieren, um die Aufmerksamkeit zu kanalisieren.

Manche verwechseln Lernen mit Entertainment. Bitte nicht falsch verstehen, natürlich kann Lernen unterhaltsam sein. Aber die Einstellung der Lernenden ist entscheidend! Wie Johann Friedrich Herbart (deutscher Begründer der Pädagogik als akademische Disziplin) Ende des 18. Jahrhunderts feststellte, liegt Lernen in der Selbstverantwortung der Lernenden. Eine passive Konsumerhaltung gegenüber den Lehrenden ist nicht förderlich.

Das Definieren von Zielen hilft uns, in eine aktive Lernhaltung zu kommen. Außerdem geschieht nebenbei noch etwas äußerst Hilfreiches: Der neuropsychologisch nachgewiesene Priming-Effekt unterstützt uns bei der unbewussten Informationsverarbeitung. Indem wir uns eine persönliche Frage oder ein Ziel setzen, steigern wir den Lernerfolg und bereiten unser Gehirn noch mehr darauf vor, neues Wissen aufzunehmen. Wie lautet deine Frage, die du an diesen Blog Post stellst?

3. Verbindungen schaffen: Neues Wissen braucht Anker in unserem Gehirn.

Auch wenn wir etwas Neues lernen, fangen wir nie bei Null an. Es gibt immer Erfahrungen oder verwandtes Wissen, auf das wir bereits aufbauen oder anknüpfen. Die neurowissenschaftlich nachgewiesene Plastizität des Gehirns beweist, dass wir in jedem Lebensalter in der Lage sind, neue neuronale Verbindungen aufzubauen. Das Informationspuzzle wird immer größer!

Durch sogenannte Elaborationstechniken können wir im Kopf Ankerpunkte aufbauen, die verhindern, dass neues Wissen einfach „durchrauscht“. Deshalb ist es an dieser Stelle sinnvoll, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um eine Mindmap oder Systemlandkarte zu erstellen. Assoziiere frei, welches vorhandene Wissen oder verwandte Themen du mit den neuen Lerninhalten verknüpfen möchtest. Keine Sorge, hier gibt es kein Richtig oder Falsch. Die Hauptsache ist, dass du durch Pfeile so viele Verbindungen wie möglich herstellst!

4. Primetime: Jetzt ist es Zeit für das Eigentliche!

Du bist jetzt startklar. Nimm das Buch, schau die Dokumentation, höre den Podcast oder den Vortrag. Neue Informationen können jetzt gezielt aufgenommen, verknüpft und verarbeitet werden.

Eine kurze Anmerkung: Die Geschichte mit den verschiedenen Lerntypen ist ein Mythos. Bisher gibt es nicht genügend wissenschaftlich gesicherte Daten, die belegen, dass wir entweder „der visuelle Typ“, „der akustische Typ“ oder „der haptische Typ“ sind. Je nach Thema, Umfeld oder (Lebens-)Situation sind unterschiedliche Herangehensweisen ideal. Auch hier hilft ein wenig Experimentieren, um die optimale Lernmethodik für den Moment zu finden.

5. Doppelte Wiederholung: Reflexion auf zwei Arten, um neues Wissen zu festigen.

Das Buch schließen und das war’s? Nicht ganz. Direkt im Anschluss an die Lerninhalte lohnt es sich, ein paar Minuten Zeit zu investieren, um dem neuen Wissen den Weg aus dem Arbeitsgedächtnis ins Langzeitgedächtnis zu weisen.

Wie man das macht? Am besten über zwei verschiedene Kanäle: Die Kombination von verbalen und nonverbalen Reizen hilft uns, sich besser zu erinnern und macht aus dem schmalen Weg ins Langzeitgedächtnis eine breite Datenautobahn. Mnemotechniken wie die Loci-Methode können hier zum Einsatz kommen. Oder du baust das gerade Gelernte mit ein paar Legosteinen nach. Deine Hände werden sich erinnern!

Nächste Schritte: Was ist jetzt anders? Werde aktiv.

Was, bin ich immer noch nicht fertig? Nicht ganz. Neues Wissen muss in neue Verhaltensweisen umgesetzt werden, nur so lässt sich die Theorie in die Praxis übertragen. Was machst du von nun an anders? Wissen gelangt durch sichtbare Verhaltensweisen in die Praxis und wird so schnell zur neuen Kompetenz.

„Start small but smart“ ist hier die Devise. Definiere konkrete Schritte und versehe sie mit Deadlines. Beziehe andere mit ein. So entwickeln wir ein ausgeprägtes Growth Mindset, das eine kontinuierliche Weiterentwicklung und das lebenslange Lernen fördert. Du könntest zum Beispiel damit beginnen, diese fünf Lernschritte heute Abend beim Abendessen mit der Familie zu besprechen. Oder du kannst das Framework ausprobieren, sobald du den nächsten Artikel lesen wirst.

„Start small but smart“, damit die investierte Lernzeit gut angelegt ist.

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